Was wir sehen, wächst. Warum Dankbarkeit unser Blick aufs Leben verändert
- Cornelia Felber-Kunz

- 20. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Dieser Beitrag ist den Jugendlichen gewidmet.
Jugendliche sind unsere Zukunft.

Anforderung an Jugendliche
Jugendliche spüren oft sehr genau, wenn etwas in dieser Welt nicht stimmt. Vieles fühlt sich gerade laut an, unsicher, überfordernd. Erwartungen, Leistungsdruck, Krisenmeldungen – all das prasselt täglich auf junge Menschen ein, oft ungefiltert.
Wenn ich die Nachrichten einschalte, scheint die Welt oft dunkel. Kriege, Katastrophen, Probleme überall. Ohne es bewusst zu merken, nehmen wir diese Bilder mit in unseren Alltag. In unsere Gedanken. In unseren Körper. Für Jugendliche, die gerade herausfinden wollen, wer sie sind und wo sie dazugehören, kann das ganz schön überwältigend sein. Irgendwann fühlt es sich an, als wäre alles schwierig – und als gäbe es kaum noch Hoffnung.
Gefühl von Ohnmacht
Ich habe gemerkt, wie sehr mich dieser dauernde Krisenmodus selbst erschöpft. Nicht, weil ich wegschauen möchte, sondern weil er ein Gefühl von Ohnmacht erzeugt. Dieses Gefühl, dass man sowieso nichts ändern kann. Genau hier begann für mich eine bewusste Entscheidung: meinen Blick zu verändern. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Fürsorge – für mich und für die nächste Generation.
Was wir sehen wächst- auch Hoffnung
Denn was wir sehen, wächst. Und das gilt nicht nur für Angst, sondern auch für Hoffnung.
Während vieles schwierig ist, geschieht gleichzeitig auch viel Gutes – oft leise, oft ohne grosse Schlagzeilen. Mich berührt es zu wissen, dass sich die Ozonschicht der Erde langsam erholt, weil Menschen Verantwortung übernommen haben. Dass Tierarten wie Wale oder Meeresschildkröten zurückkehren, weil sie geschützt werden. Oder dass sich Wälder und Flüsse dort regenerieren, wo man ihnen Raum lässt. Diese Dinge passieren wirklich. Nicht sofort. Aber Schritt für Schritt.
Wenn ich mir das bewusst mache, verändert sich etwas in mir. Ich werde ruhiger. Mein Körper entspannt sich. Hoffnung bekommt wieder Platz. Und ich erinnere mich daran, dass Veränderung möglich ist – nicht nur in der Welt, sondern auch im eigenen Leben.
So wie ich gelernt habe, nicht nur auf das zu schauen, was nicht funktioniert, sondern auf das, was stärkt, hat sich auch mein innerer Blick verändert. Weg von Hilflosigkeit, hin zu mehr Vertrauen, Dankbarkeit und innerer Stabilität. Nicht als Schönreden – sondern als bewusste Haltung
Positive Psychologie - Weg aus der Hilflosigkeit
Die Positive Psychologie beschäftigt sich genau damit: Wie Menschen ein möglichst gutes, stimmiges Leben führen können. Nicht perfekt. Nicht immer glücklich. Sondern echt. Mit Höhen und Tiefen. Mit Sinn, Beziehung und innerer Stärke.
Ein wichtiges Thema dabei ist das Gefühl von Hilflosigkeit. Wenn man immer wieder erlebt, dass es egal ist, was man tut, gibt man irgendwann innerlich auf. Dieses Gefühl kennen viele – nicht nur bei Depressionen, sondern auch im Alltag. Wenn alles zu viel wird. Wenn man denkt: Es bringt ja sowieso nichts.
Das Gute ist: Dieses Gefühl ist gelernt – und kann auch wieder verlernt werden. Hoffnung, Zuversicht und innere Stärke sind keine festen Eigenschaften. Sie können wachsen. Langsam. Schritt für Schritt.
Dankbarkeit leben
Eine sehr einfache und gleichzeitig kraftvolle Möglichkeit dafür ist die Dankbarkeit. Nicht als Zwang und nicht als „Du musst doch dankbar sein“. Sondern als Einladung, den Blick ein kleines Stück zu weiten. Dankbarkeit hilft dem Nervensystem, sich zu beruhigen. Sie erinnert uns daran, dass nicht alles schlecht ist – auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Wie schwierig das sein kann, wurde mir besonders deutlich, als ich über eine Zeit hinweg abends mit einem Teenager bewusst auf den Tag zurückblickte. In dieser Lebensphase fühlte sich vieles schwer an: Schule, Lernen, Erwartungen, das Leben allgemein. Auf die Frage, was schön gewesen sei, kam lange Zeit nur Widerstand oder Schweigen.
Es brauchte mehrere Wochen. Jeden Abend ein kleiner Moment – ohne Druck, ohne Korrektur. Und erst ganz langsam tauchten einzelne Dinge auf. Kleine Momente. Unscheinbar. Manchmal kaum benennbar. Genau darin lag die Erkenntnis: Dankbarkeit lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht dort, wo man sich sicher fühlt. Wo auch Frust, Wut und das Gefühl „Alles ist doof“ Platz haben dürfen.
Dankbarkeit bedeutet nicht, dass alles gut ist. Sie bedeutet auch nicht, dass man sich besser fühlen muss. Schmerz und Dankbarkeit können nebeneinander existieren. Gerade deshalb kann Dankbarkeit zu einer Kraft werden, die trägt – ohne etwas zu verdrängen.
Für mich verbinden sich hier zwei wichtige Gedanken: Gesundheit und innere Stärke entstehen nicht dadurch, dass wir Probleme ignorieren, sondern dadurch, dass wir in Beziehung bleiben – mit uns selbst, mit unseren Gefühlen und mit dem Leben, so wie es gerade ist.
Ein gutes Leben ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Es ist ein Weg. Und manchmal beginnt er mit etwas ganz Einfachem: mit einem anderen Blick.
Affirmationen für Jugendliche
Für Jugendliche – ein paar sanfte Sätze
Diese Sätze sind kein Muss. Du darfst sie lesen, fühlen oder auch einfach weitergehen:
• Ich darf mich heute so fühlen, wie ich mich fühle.
• Nicht alles muss gut sein, damit ich okay bin.
• Ich bin mehr als meine Noten, meine Leistung oder meine Stimmung.
• Es gibt kleine Momente, die mir guttun – auch wenn ich sie noch nicht sehe.
• Ich darf mir Zeit lassen.
• Ich bin nicht falsch, nur weil es gerade schwierig ist.
Wenn sich ein Satz ein kleines bisschen stimmig anfühlt, reicht das völlig.
Dankbarkeitstagebuch digital ausfüllbar
Eine Möglichkeit Dankbarkeit im Alltag zu verankern ist sich jeden Abend 3-5 Minuten Zeit zu nehmen. Dieses Dankbarkeitstagebuch ist aus meiner Arbeit mit Jugendlichen entstanden und darf dafür gerne genutzt und weitergeleitet werden.
Herzlich Cornelia
Praxis Seelengarten



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