Nicht jedes Jahr beginnt im Januar
- Cornelia Felber-Kunz

- 20. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Manche Übergänge fühlen sich richtig an.
Andere werden gefeiert, obwohl der Körper noch woanders ist.
Dieser Text ist eine Einladung, den eigenen Rhythmus ernster zu nehmen als Kalender, Traditionen oder Erwartungen – und dem Winter zuzuhören, statt ihn zu übergehen.

Ich darf langsamer werden, als die Welt es versteht
Silvester fühlt sich für mich nicht stimmig an.
Nicht falsch. Nicht ablehnend. Nur nicht passend. Um diese Zeit wird viel vom Neuanfang gesprochen. Von Rauhnächten, von Visionen, vom Loslassen und Manifestieren.
Von Ritualen, die helfen sollen, das neue Jahr „richtig“ zu beginnen.
Ich habe vieles davon ausprobiert. Manches davon hat mich berührt. Und doch habe ich gemerkt:
Je mehr ich mich an feste Abläufe halte, desto weniger spüre ich mich selbst.
Vielleicht liegt es daran, dass mein Körper um diese Zeit etwas anderes braucht.
Draußen ist Winter. Die Tage sind kurz, das Licht sparsam. Der Körper zieht sich zurück.
Ich habe in der chinesischen Medizin eine Sprache dafür gefunden:
Das Wasser-Element.
Wasser steht für Rückzug, Tiefe, Regeneration. Nicht für Aufbruch, sondern für Schutz.
Der Mensch ist kein lineares Wesen. Wir sind zyklisch. Unsere Körper folgen Rhythmen, dem Wechsel der Jahreszeiten, dem Mond, dem eigenen inneren Tempo.
Still, regelmäßig, ohne Kalender.
Ich kenne Zeiten, in denen zu viel Wasser da war.
Nicht nährend, sondern schützend. Verletzungen, die sehr früh entstanden sind,
in einer Phase, in der der Körper noch alles ungefiltert aufnimmt. Dann liegt alles andere darunter. Dieses Wasser ist ruhiger geworden. Nicht weil alles gelöst ist, sondern weil es nicht mehr alles tragen muss. Und das, was in mir wachsen will, in der Sprache der Elemente:
Das Holz,
liegt noch im Winter. Nicht blockiert. Nicht verloren. Nur noch nicht an der Reihe.
Vielleicht fühlt sich Silvester deshalb fremd an. Weil mein inneres Jahr hier noch gar nicht beginnt.
In vielen Naturtraditionen beginnt das neue Jahr im Frühling. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche, wenn Licht und Dunkel im Gleichgewicht sind. Wenn aus der Tiefe langsam Richtung entsteht.
Dieses Jahr habe ich gemerkt:
Rituale dürfen einfacher sein. Weniger Räuchern. Kein Visionboard zu Silvester eher später. Mehr Lauschen.
Nicht alles, was Tradition hat, passt zu jedem Körper. Vielleicht geht es weniger darum, Neues zu beginnen, und mehr darum, sich wieder zu erinnern.
Ich darf langsamer werden, als die Welt es versteht.
Vielleicht ist dieser Text kein Plädoyer gegen Rituale.
Sondern eine Erinnerung daran, dass sie dem Leben dienen dürfen –
nicht umgekehrt.
Wann beginnt dein inneres Jahr?
Herzlich Cornelia



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